Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe ist eher positiv und profitiert von der Erholung der Umsätze, insbesondere auf dem Auslandsmarkt. Für 2022 erwarten die Unternehmen ein weiteres Wachstum des Geschäftsvolumens, aber auch höhere Kosten. Die Investitionstätigkeit wird voraussichtlich verhalten bleiben. Dies geht aus dem Wirtschaftsbarometer des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor.

Die Unternehmen im Südtiroler Verarbeitenden Gewerbe bewerten die Ertragslage generell positiv: Ein Drittel erwartet 2021 ein „gutes“ Betriebsergebnis, weitere 48 Prozent rechnen immerhin mit einer „befriedigenden“ Rentabilität.



Der im Frühjahr begonnene Umsatzaufschwung setzte sich in den Sommermonaten fort. Die aktuellsten Daten zeigen im August einen Anstieg des Geschäftsvolumens von rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Eine sehr positive Entwicklung ist im Außenhandel zu verzeichnen: In den drei ersten Quartalen 2021, zwischen Januar und September, überstieg der Gesamtwert der Südtiroler Exporte 4,2 Mrd. Euro. Dies entspricht einer Zunahme von 20,5 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2020. Die wachsenden Umsätze sind aber zum Teil auf die Preisentwicklung zurückzuführen: Rund 60 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie ihre Verkaufspreise angehoben haben, meistens als Reaktion auf den deutlichen Anstieg der Rohstoffpreise.

Im Einklang mit der Nachfrageentwicklung nimmt die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe zu: Im November lag die Zahl der Arbeitnehmer/innen bei über 34.500, was einem Anstieg von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht.



Die Unternehmer/innen im Verarbeitenden Gewerbe blicken eher zuversichtlich auf 2022. Das Umsatzwachstum dürfte sich fortsetzen, insbesondere auf dem Auslandsmarkt und mehr als 90 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer befriedigenden Ertragslage. Es wird jedoch erwartet, dass die Betriebskosten weiter steigen und die Investitionsdynamik wird voraussichtlich schwach bleiben. Außerdem gibt es noch erhebliche Unterschiede zwischen den Erwartungen der einzelnen Sparten. Optimismus ist vor allem in der Branche der Herstellung von Maschinen und Geräten zu beobachten: 94 Prozent der Unternehmen erwarten im kommenden Jahr ein zumindest „zufriedenstellendes“, in den meisten Fällen sogar „gutes“, Betriebsergebnis. Nach wie vor Schwierigkeiten gibt es hingegen im Textil- und Bekleidungssektor und in der Lebensmittelproduktion: Hier geht rund ein Fünftel der Unternehmen auch 2022 von einem unbefriedigenden Betriebsergebnis aus. Die Rentabilitätserwartungen sind auch bei den Druckereien und in der Produktion von Baustoffen eher verhalten.

Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen, freut sich über die gute Entwicklung im Außenhandel: „Das starke Wachstum der Exporte begünstigt die Erholung der lokalen Wirtschaft und spiegelt die starke Wettbewerbsfähigkeit der Südtiroler Unternehmen im internationalen Szenario wider. Es ist wichtig, die Internationalisierungsmaßnahmen der Unternehmen zu unterstützen, da die wirtschaftliche Tätigkeit auf ausländischen Märkten neue Chancen für Wachstum und Innovation bietet.”

Anmerkung:
Das Verarbeitende Gewerbe umfasst alle Tätigkeiten, welche mit der Herstellung von Waren verbunden sind, wie zum Beispiel die Produktion von Nahrungsmitteln, Textilien und Bekleidung, Holzgegenständen und Möbeln, chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen, Kunststoffwaren, Metallerzeugnissen, Maschinen, Geräten, Fahrzeugen usw.