Das Geschäftsklima in Südtirol ist nach wie vor gut, auch wenn es erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Wirtschaftssektoren gibt. Insgesamt erwarten im laufenden Jahr mehr als neun von zehn Unternehmen eine zufriedenstellende Ertragslage. Dies ergibt sich aus der Sommerausgabe des Wirtschaftsbarometers des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen. Die Unternehmen melden steigende Umsätze und eine positive Entwicklung der Beschäftigung. Das WIFO erwartet für das laufende Jahr ein Wachstum des Südtiroler Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent.

Die Sommerausgabe des Wirtschaftsbarometers bestätigt das insgesamt positive Geschäftsklima in der Südtiroler Wirtschaft: 91 Prozent der Unternehmer/innen gehen heuer von einem zufriedenstellenden Betriebsergebnis aus. Das Geschäftsvolumen ist steigend, insbesondere auf dem lokalen Südtiroler Markt. Dies ist zum Teil auch auf den Anstieg der Verkaufspreise zurückzuführen, die im ersten Halbjahr 2019 durchschnittlich rund 1,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahressemesters lagen. Die Exporte sind aber rückläufig, beeinflusst unter anderem durch die niederen Apfelpreise und die Abschwächung der deutschen Wirtschaft. Im ersten Quartal 2019 lagen die Südtiroler Ausfuhren um 3,2 Prozent unter dem Wert des Vorjahresquartals. Der Arbeitsmarkt zeigt hingegen weiterhin eine positive Entwicklung: In der ersten Jahreshälfte stieg die Zahl der unselbständig Beschäftigten in Südtirol um 2,2 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2018 und die Unternehmen planen heuer weitere Anstellungen.



Betrachtet man die einzelnen Wirtschaftssektoren, so ergeben sich einige Unterschiede. Der größte Optimismus zeigt sich im Dienstleistungsgewerbe, während das Geschäftsklima bei den Obstgenossenschaften aufgrund der europaweit niedrigen Apfelpreise verhalten ist. Im Vergleich zur vorherigen Konjunkturumfrage im Frühjahr ist das Vertrauen der Unternehmer/innen im Tourismus etwas gesunken, aufgrund der abnehmenden Nächtigungs- und Umsatzzahlen.



Trotz des positiven Beschäftigungstrends zeigen die WIFO-Umfragen eine gewisse Verschlechterung des Konsumklimas. Die Bewertungen der Südtiroler Konsument/innen zur eigenen finanziellen Lage sind zwar stabil, aber die Prognosen in Bezug auf ihre künftigen Ausgaben für langlebige Güter (Haushaltsgeräte, Elektronik, Möbel usw.) haben sich seit Anfang des Jahres verschlechtert. Auch ihre Erwartungen bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Südtiroler Wirtschaft sind verhaltener geworden, vor allem aufgrund des schwachen wirtschaftlichen Umfeldes auf nationaler und internationaler Ebene.

In Europa hat sich das Konsum- und Geschäftsklima im Laufe des Jahres verschlechtert. Im Juni ging der entsprechende „Economic Sentiment Indicator” auf das Niveau von 2016 zurück und liegt somit nur knapp über dem Langzeitdurchschnitt. Das Wirtschaftswachstum im Euroraum hat sich im ersten Quartal leicht beschleunigt, aber die Prognosen für das Gesamtjahr 2019 deuten auf eine weiterhin schwache Konjunktur hin. Dies ist auf die Verlangsamung wichtiger Volkswirtschaften wie China und Russland sowie auf die anhaltenden internationalen Handelsspannungen zurückzuführen. Letztere wirken sich vor allem auf die Investitionen und die Industrieproduktion negativ aus. Der Dienstleistungssektor hingegen hat sich bisher als widerstandsfähiger erwiesen und trägt weiterhin zum Wirtschaftswachstum der Eurozone bei. Ebenso der private Konsum, der dank der stetigen Verbesserung des Arbeitsmarktes und des Lohnniveaus noch steigt. Die Arbeitslosenquote im Euroraum ist mit derzeit 7,5 Prozent wieder auf das Niveau vor der Krise zurückgekehrt. Schließlich sorgt die Europäische Zentralbank dank der lockeren Geldpolitik weiterhin für günstige Kreditbedingungen. Mittelfristig werden der Ausgang des Brexits und die Entwicklung des internationalen Handels für die europäische Konjunkturentwicklung entscheidend sein. Die aktuellen Prognosen der Europäischen Kommission für das laufende Jahr gehen von einem Wachstum des BIP der Eurozone von 1,2 Prozent aus. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft wird voraussichtlich +0,5 Prozent betragen, während Österreich +1,5 Prozent erreichen sollte.

Die italienische Wirtschaft ist im ersten Quartal aus der Rezession herausgekommen, befindet sich aber noch in einer Stagnation, die bis zum Jahresende anhalten sollte. Die Europäische Kommission prognostiziert, dass das italienische BIP 2019 nur geringfügig steigen wird (+0,1 Prozent). Die Abschwächung der Investitionen und der Auslandsnachfrage wurde bisher durch einen leichten Anstieg des privaten Konsums ausgeglichen, der von der moderaten Inflation und der positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes profitiert. Im Mai lag die Arbeitslosenquote bei 9,9 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit Anfang 2012. Bezüglich der Staatsfinanzen gibt es positive Anzeichen, nachdem die Haushaltskorrektur der Regierung die Eröffnung eines EU-Verfahrens verhindert hat. Im Laufe des letzten Monats ist der Spread deutlich gesunken und hat den Schwellenwert von 200 Basispunkten unterschritten.

Unter Berücksichtigung der eher positiven Situation der lokalen Wirtschaft, aber auch des schwachen europäischen und vor allem italienischen Wirtschaftskontextes, geht das WIFO heuer von einem Wachstum des Südtiroler Bruttoinlandsproduktes von 1,3 Prozent aus.

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, betont die Notwendigkeit einer stabilen Wirtschaftspolitik: „In einem wirtschaftlich unsicheren Umfeld ist es umso wichtiger, dass die Politik Beständigkeit und Solidität im rechtlichen, institutionellen und finanziellen Kontext vermittelt. Auch auf Staatsebene müssen das Vertrauen der Verbraucher/innen wieder hergestellt und unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Man denke zum Beispiel an den positiven Effekt der Reduzierung der Spreads auf die Kosten der Unternehmensfinanzierung.“