Der gute Verlauf der Impfkampagne und die damit verbundene Rückkehr zur Normalität fördern eine weitere Verbesserung des Geschäftsklimas unter den Südtiroler Unternehmen. Dies zeigt die Herbstausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen. Mehr als acht von zehn Unternehmen bewerten die Ertragslage im Jahr 2021 als zufriedenstellend und neun von zehn Unternehmen äußern sich optimistisch für das Jahr 2022. Erstmals seit Beginn der Corona-Krise haben auch die Investitionen zugenommen. Angesichts dieser positiven Entwicklung revidiert das WIFO seine Prognose zum Wachstum des Südtiroler Bruttoinlandsprodukts nach oben. Für 2021 wird eine Zunahme von 5,5 Prozent geschätzt, während für 2022 ein Anstieg von 5,0 Prozent erwartet wird.

Südtiroler Wirtschaft – Umsatz und Investitionen wachsen, Kosten bleiben kritisch
Die Verbesserung des Geschäftsklimas, die sich zu Beginn des Sommers abgezeichnet hat, bestätigte sich in den folgenden Monaten. Dies geht aus der Herbstumfrage des WIFO-Wirtschaftsbarometers hervor. 83 Prozent der Südtiroler Unternehmen erwarten heuer eine zumindest „befriedigende“ (29 Prozent sogar eine „gute“) Ertragslage und 92 Prozent äußerten zuversichtliche Erwartungen für die Ertragslage im Jahr 2022.



Der steigende Optimismus ist vor allem auf die Umsatzentwicklung zurückzuführen, da fast die Hälfte der Unternehmen ein Wachstum im Vergleich zum letzten Jahr verzeichnete. Nachdem im Januar und Februar 2021 das Geschäftsvolumen einen Rückgang von 17 bzw. 18 Prozent im Vergleich zu den Vorjahresmonaten aufwies, ist seit März in den meisten Branchen eine Erholung zu verzeichnen. Im Mai und Juni wurde ein Wachstum von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnet, während der Anstieg im Juli und August fünf Prozent betrug. Vor allem auf dem Südtiroler Markt gab es eine positive Entwicklung des Geschäftsvolumens. Die Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität spiegelt sich auch im Energieverbrauch der Unternehmen wider, der im zweiten und dritten Quartal um 8,9 Prozent höher war als im Vorjahreszeitraum. Positiv zu bewerten ist auch die Auslastung der Produktionskapazität der Betriebe, die im Baugewerbe und im Verarbeitenden Gewerbe bei rund 85 Prozent liegt.

Ein weiteres Element, das die wiedergefundene Zuversicht bestätigt, ist der wenn auch noch begrenzte Anstieg der Investitionen, insbesondere bei den größeren Unternehmen. Für das nächste Jahr erwarten die befragten Unternehmer/innen weiterhin zunehmende Investitionen und stabile Bedingungen zum Kreditzugang.

Die Produktionskosten, insbesondere für Rohstoffe und Energiegüter, werden jedoch weiterhin als problematisch angesehen. Laut den Befragten wird sich der heurige starke Anstieg im nächsten Jahr fortsetzen und viele Unternehmen haben schon ihre Verkaufspreise erhöht, um dieser Kostendynamik gerecht zu werden. In einigen Sektoren wird auch eine Verschärfung der Konkurrenz angegeben. Auch die Zahlungsmoral der Kund/innen bereitet weiterhin etwas Sorgen, trotz der Verbesserung im Vergleich zur vorherigen Erhebung im Sommer.

Die im Frühjahr beobachtete Erholung des Arbeitsmarktes setzte sich im Sommer fort. Seit Juli liegt die unselbständige Beschäftigung in Südtirol über dem Niveau von 2019, dem letzten Vorkrisenjahr. Ermutigend sind auch die Prognosen der Unternehmen, die für 2022 einen weiteren Anstieg erwarten.



Betrachtet man die einzelnen Wirtschaftssektoren, so zeigt sich im Handel und im Dienstleistungsbereich eine deutliche Verbesserung des Geschäftsklimas im Vergleich zur letzten Erhebung im Sommer. In diesen Branchen sind die Bewertungen zur Ertragslage im Jahr 2021 derzeit besser als im Durchschnitt der Südtiroler Wirtschaft. Die Bewertungen der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe, Baugewerbe und Transportsektor sind hingegen im Vergleich zur Sommerumfrage relativ stabil geblieben und liegen unter dem Durchschnitt. Was die Rentabilitätserwartungen für 2022 betrifft, so gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Sektoren.

Internationale Wirtschaft: Aufschwung trotz steigender Rohstoffpreise und Engpässe in den Lieferketten

Die Lockerung der Maßnahmen zur Einschränkung der Pandemie, die durch die Fortschritte der Impfkampagnen ermöglicht wurde, hat zum verstärkten Aufschwung in Europa und in den USA beigetragen. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds wird das weltweite BIP-Wachstum im Jahr 2021 5,9 Prozent erreichen. Allerdings ist die Impfrate in vielen Schwellen- und einkommensschwachen Ländern immer noch sehr gering, was das Risiko einer künftigen Ausbreitung neuer Varianten mit möglichen negativen Folgen für die Weltwirtschaft erhöht.

Weitere Risiken für das Wirtschaftswachstum ergeben sich aus den hohen Preisen für Energierohstoffe wie Erdöl und Erdgas, sowie aus der begrenzten Verfügbarkeit von Rohstoffen und Materialien wie Holz, Halbleitern und Stahl. Dies führt zu einer Inflationsbeschleunigung und zu Verzögerungen in der Produktion, insbesondere in der Automobilindustrie, im Verarbeitenden Gewerbe und im Bausektor. Die weiterhin expansive Geld- und Fiskalpolitik wird aber den Aufschwung in der Eurozone stützen. Der Internationale Währungsfonds rechnet für die Eurozone mit einem BIP-Wachstum von 5,0 Prozent im Jahr 2021 und von 4,3 Prozent im Jahr 2022.

Auch in Italien profitierte das Wirtschaftswachstum von der schrittweisen Rückkehr zur Normalität. Seit Juni hat die Industrieproduktion wieder das Vorkrisenniveau überschritten. Die Investitionstätigkeit hat dank des hohen Kreditangebots und der niedrigen Zinsen zugenommen und auch der Außenhandel hat zum Wachstum beigetragen. Im Einklang mit der positiven Entwicklung der Konjunktur zeigte auch das Vertrauensklima der italienischen Konsument/innen und Unternehmen seit Jahresbeginn einen Aufwärtstrend. Für 2021 schätzt der Internationale Währungsfonds ein Wachstum des italienischen Bruttoinlandsprodukts von 5,8 Prozent, während für 2022 eine Zunahme von 4,2 Prozent erwartet wird, auch dank der ersten Auswirkungen des Nationalen Aufbau- und Resilienzplans. Was den Arbeitsmarkt betrifft, so ist die Erholung noch nicht vollständig. Im September lag die Beschäftigungsquote bei 58,3 Prozent und damit noch 0,6 Punkte unter dem Vorkrisenniveau vom September 2019. Die Nichterwerbsquote ist weiterhin hoch und liegt bei 35,7 Prozent, während die Arbeitslosenquote 9,2 Prozent beträgt.

Wirtschaftswachstum in Südtirol
Angesichts der Besserung des Geschäfts- und Konsumklimas, der Erholung der italienischen und internationalen Wirtschaft sowie der derzeit vorliegenden Informationen, revidiert das WIFO seine Wachstumsprognosen nach oben: Das Südtiroler BIP soll heuer um 5,5 Prozent zunehmen. Im Jahr 2022 dürfte der Anstieg 5,0 Prozent betragen, sofern die Entwicklung der Pandemie keine erheblichen restriktiven Maßnahmen erfordert.

Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen, freut sich über die deutliche Verbesserung des Geschäftsklimas: „Die Südtiroler Unternehmerinnen und Unternehmer blicken wieder optimistisch in die Zukunft. In dieser Phase der wirtschaftlichen Erholung ist es undenkbar, dass die Unternehmen mit neuen Steuern belastet werden. Es ist umso wichtiger, alle Instrumente zur Stärkung der Investitionen zu nutzen.“