Das Geschäftsklima bei den Südtiroler Landwirten hat sich im letzten Jahr verbessert und ist allgemein positiv, wenn auch mit Unterschieden zwischen den einzelnen Branchen. Dies geht aus dem Geschäftsklima der Landwirte des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor. Mit den Auszahlungspreisen am meisten zufrieden sind nach wie vor die Winzer, aber auch die Milchbauern sind sehr zuversichtlich. In der Obstwirtschaft hat sich die Stimmung im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gebessert, nachdem die Apfelpreise aufgrund der europaweit niederen Produktion stark angestiegen sind. Von der günstigen Entwicklung der Preise konnten leider nicht alle Wein- und Obstbauern profitieren, da Spätfrost und Unwetter erhebliche Ausfälle bei der Ernte 2017 zur Folge hatten.

Das Jahr 2017 brachte europaweit eine Steigerung der Preise für Milch und Äpfel, mit positiven Effekten für die Südtiroler Landwirtschaft. Insgesamt waren 82 Prozent der Südtiroler Bauern und Bäuerinnen mit den von den Genossenschaften erhaltenen Auszahlungspreisen zufrieden, allerdings gab es Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen.



Für das Jahr 2018 wird allgemein eine leichte Besserung des Geschäftsverlaufs erwartet sowie eine Steigerung der Produktionsmenge. Heuer gehen 86 Prozent der Landwirte von zufriedenstellenden Auszahlungspreisen aus.

In der Obstwirtschaft brachte das Jahr 2017 eine wesentliche Veränderung der Marktlage. Die vorherigen Jahre waren von niederen Apfelpreisen gekennzeichnet, bedingt durch die Überproduktion in Europa, das russische Embargo und die Krisen in Nordafrika. Ab dem Frühjahr 2017 sind aber die Preise stark angestiegen, als klar wurde, dass die Spätfroste europaweit zu erheblichen Ernteausfällen führen würden. Die von den Südtiroler Obstgenossenschaften ausgezahlten Erzeugerpreise waren für etwa 70 Prozent der Bauern und Bäuerinnen zufriedenstellend. Die Apfelernte war dann – auch aufgrund von Hagelschäden – mit etwa 754.000 Tonnen Tafelware um etwa ein Fünftel unter dem Niveau des Vorjahres. Die Vermarktungssaison lief aber gut, gekennzeichnet durch hohe Verkaufspreise und einen schnellen Abbau der Lagerbestände. Daher gehen 81 Prozent der Obstbauern von (zumindest) befriedigenden Auszahlungspreisen im Jahr 2018 aus.

Die Milchwirtschaft muss sich weiterhin einer sehr komplexen internationalen Marktlage stellen. Die Produzenten in Europa haben auf die anziehenden Erzeugerpreise schnell reagiert und seit März 2017 sind die angelieferten Mengen wieder über das Niveau der Vorjahre gestiegen. Die wachsenden Exporte und die hohen Butterpreise haben trotzdem europaweit relativ gute Erzeugerpreise ermöglicht. In Südtirol wurde die Produktion erhöht und fast alle Bauern waren mit den Auszahlungen zufrieden. Diese lagen im Jahr 2017 bei durchschnittlich 50,6 Cent pro Kilogramm. Die europaweit anhaltend hohe Produktion könnte aber im laufenden Jahr zu Preissenkungen führen. Die Südtiroler Bauern erwarten für 2018 weiterhin angemessene Auszahlungspreise, allerdings eher „befriedigend“ als „gut“. Die Produktion dürfte laut der interviewten Landwirte in etwa auf dem bereits hohen Niveau des vergangenen Jahres bleiben.

Die Weinwirtschaft zeigt weiterhin eine positive Stimmung. Fast alle Winzer bewerten die von den Kellereien im Jahr 2017 erhaltenen Auszahlungen zumindest als „befriedigend“, die Mehrheit meldet sogar „gute“ Auszahlungspreise. Die Weinlese 2017 war leider aufgrund von Spätfrost- und Hagelschäden geringer als in den Vorjahren: Die Produktion von DOC- und Landweinen erreichte 273.800 Hektoliter und damit in etwa ein Fünftel weniger als im Vorjahr. Die Qualität wird aber von den Kellermeistern als sehr gut bewertet. Aus diesem Grund erwarten die Bauern weiterhin befriedigende bis gute Auszahlungspreise von den Genossenschaftskellereien bzw. gute Verkaufspreise beim selbstvermarkteten Wein.

Handelskammerpräsident Michl Ebner ist über das steigende Geschäftsklima in der Südtiroler Landwirtschaft erfreut und unterstreicht die wichtige Rolle der Europäischen Union für die Erhaltung der Berglandwirtschaft: „Es ist wichtig, dass die Bedürfnisse der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe bei der Gestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020 berücksichtigt werden. Dabei soll die wirtschaftliche, aber auch die soziale Bedeutung der Berglandwirtschaft anerkannt werden.“

Leo Tiefenthaler, Bauernbund-Obmann
„Dass die Landwirtschaft insgesamt optimistisch in die Zukunft blickt, ist ein sehr erfreuliches Signal. Neben den Produzenten selbst, die durch eine sehr hohe Qualität die Voraussetzungen für gute Preise schaffen, sind es vor allem die Genossenschaften, die eine sehr gute Arbeit leisten und wesentlich zum Erfolg beitragen.“