Im Vergleich zur letzten Sommererhebung zeigt die Herbstausgabe des Wirtschaftsbarometers des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen eine weitere Verbesserung des Geschäftsklimas in allen drei Sparten des Handelssektors: Einzelhandel, Großhandel sowie Handel und Reparatur von Kraftfahrzeugen. Die Erwartungen für das Jahr 2022 sind auch eher positiv, obwohl in vielen Bereichen aufgrund der ungewissen Entwicklung der Pandemie in den kommenden Monaten noch große Vorsicht herrscht.



Im Großhandel hat sich das Geschäftsklima im Vergleich zur vorherigen Erhebung im Sommer verbessert. Die Bewertungen zur Ertragslage im laufenden Jahr sind für 90 Prozent der befragten Unternehmen positiv und mehr als 60 Prozent berichten von einer Zunahme des Geschäftsvolumens im Vergleich zum Vorjahr, vor allem auf dem Südtiroler und dem italienischen Markt. Die Umsatzsteigerung ist auch auf höhere Verkaufspreise zurückzuführen: In der Tat mussten die Großhandelsunternehmen teilweise die gestiegenen Kosten beim Wareneinkauf auf die Kundschaft abwälzen, um angemessene Gewinnspannen aufrechtzuerhalten.

Im Hinblick auf das kommende Jahr herrscht vor allem in den Branchen der elektrischen und elektronischen Geräte sowie der Textilien und Bekleidung Optimismus: Mehr als die Hälfte der Großhändler/innen dieser Sparten erwartet 2022 ein wirklich “gutes” Betriebsergebnis. Die Aussichten sind auch in den Bereichen der Baumaterialien und der Nahrungsmittel eher positiv. Unsicherheit herrscht dagegen bei den Handelsvermittlern, wobei die Ertragserwartungen der Unternehmen sehr unterschiedlich sind.



Im Einzelhandel haben die Erholung des Tourismus und die Rückkehr zur Normalität in den Sommermonaten zu höheren Umsätzen und zu einem besseren Geschäftsklima in allen Bereichen geführt. Die Bewertungen zur Rentabilität im Jahr 2021 unterscheiden sich jedoch deutlich zwischen den einzelnen Branchen. Mehr als ein Drittel der Einzelhändler/innen im Warenbereich „Kosmetik- und Pharmaprodukte“ und ein Fünftel der Unternehmen des Wander- und Onlinehandels rechnen heuer mit einem unbefriedigenden Betriebsergebnis. Die Ertragslage wird hingegen von über 90 Prozent der Kaufleute in den Bereichen „Super- und Minimärkte“, „Nahrungsmittel und Getränke“ und „Einrichtung und Haushaltsartikel“ positiv bewertet.

Für 2022 rechnet etwa die Hälfte der Südtiroler Einzelhandelsunternehmen mit einer Umsatzsteigerung, auch aufgrund höherer Verkaufspreise. Die Kostendynamik wird aber ungünstig bleiben und die Investitionstätigkeit wird sich voraussichtlich nicht erholen.



Das Geschäftsklima im Sektor „Kfz-Handel und -Reparatur“ bleibt positiv, wobei 93 Prozent der Unternehmen heuer von einem zufriedenstellenden Betriebsergebnis ausgehen. Die Umsätze sind in den Sommermonaten auch aufgrund der Preiserhöhungen weiter gestiegen, die Unternehmer/innen bewerten aber einige Rahmenbedingungen – insbesondere die Kostenentwicklung und die Zahlungsmoral der Kundschaft – weiterhin negativ. Die Ungewissheit über die Entwicklung der Konjunktur in den kommenden Monaten verlangsamt weiterhin die Investitionstätigkeit. Diese ist heuer weiter gesunken und für das nächste Jahr wird nur ein leichter Anstieg erwartet. Die Mehrheit der Unternehmen ist jedoch zuversichtlich, dass die Rentabilität auch im Jahr 2022 befriedigend wird.

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, betont die Notwendigkeit, den Südtiroler Handel zu schützen: „Die Weihnachtszeit ist für viele Unternehmen, vor allem im Einzelhandel, für das Betriebsergebnis entscheidend. In diesem bereits schwierigen Jahr sollten neue Einschränkungen vermieden werden, denn die Kaufleute dürfen nicht zugunsten der großen internationalen Online-Händler weiter benachteiligt werden.“